Kunst am Deich

Skulpturenpfad rund um den Jadebusen

Entlang des Nordseeküsten-Radweges können rund um den Jadebusen an der Deichsicherungslinie sowohl die Sieben Tage der Schöpfungsgeschichte am Westufer des Jadebusens als auch sieben in Stein und Metall gearbeitete Darstellungen der Bewahrung der Schöpfung vor der Sintflut (Bewahrung der Schöpfung hinter dem Deich) entlang des östlichen Jadebusens bestaunt werden. Der Pfad endet derzeit mit der Darstellung des Turmbaus zu Babel bei Langwarden.Die Skulpturen sind die Arbeitsergebnisse der Bildhauersymposien am Deich. Initiator war Kulturkoordinator und Pfarrer i.R. Frank Klimmek. „Es ist den beiden Deichbändern ein Anliegen, den Küstenbewohnern und den zahlreichen Gästen unserer Region einen Zugang zu den elementaren Vorrausetzungen für ein Leben in diesem, in das Meer hineingerückten Raum zu verschaffen.“ Leenert Cometius, Früsmer Ortgies.


Sieben Tage der Schöpfungsgeschichte

Der 1. Schöpfungstag – Mariensiel
1570 wurde ein Entwässerungssiel gelegt. Daraus entstand das Dorf mit Sielhafen. Eisenbahnstation und Flugplatz kamen später hinzu. Anfang des 20. Jahrhunderts avancierte das Dorf sogar zum Villenvorort und erlebte einen Höhenpunkt als „Nordsee- und Luftkurort“. 1995 wurde das 425-jährige Dorfjubiläum gefeiert.
Der 2. Schöpfungstag – Cäciliengroden
1844 wurde das Land eingedeicht und nach der Großherzogin Cäcilie von Oldenburg benannt. In grauer Vorzeit wurde das fruchtbare Land schon einmal dem Meer abgerungen bis es in den Sturmfluten des 16. Jahrhunderts unterging.
Der 3. Schöpfungstag – Dorf Cäciliengroden
1938 wurde der Ort mit 360 Wohnungen buchstäblich aus dem Boden gestampft, um Arbeitskräfte für die Marinewerft in Wilhelmshaven anzusiedeln. Das Dorf mit den Siedlungshäusern ist heute durch die ruhige Lage am Nationalpark im Schutze des sicheren Deiches ein attraktiver Wohnstandort.
Der 4. Schöpfungstag – Schwarzes Brack
Am Beginn des 16. Jahrhunderts wurde gerade dieses Hinterland durch schwere Sturmfluten heimgesucht. Das sogenannte Schwarze Brack war tiefgründig und häufig überflutet. Es trennte die Menschen im Norden von denen im Süden des heutigen Landkreises Friesland. Deichbau und Entwässerung haben dieses sichere Land entstehen lassen.
Der 5. Schöpfungstag – Petersgroden
Ellenserdamm, heute Bestandteil eines Ortsnamens. Ursprünglich ein Damm, von Menschen errichtet im Kampf mit dem „Blanken Hans“ um Land und Sicherheit des eigenen Lebens. Ein aufmerksamer Gang durch den Ort Ellenserdammersiel läßt noch heute Spuren dieser Auseinandersetzung erkennen, die 400 Jahre zurückliegt. Der heutige Petersgroden war früher ein Teil des Jadebusens.
Der 6. Schöpfungstag – Petershörn
Der angrenzende Groden mit dem Dangaster Binnentief dient als Speicherpolder für den Betrieb des Schöpfwerks Petershörn mit dem Dangaster Siel. Die Klei-Abbauflächen (Pütten) werden der natürlichen Entwicklung überlassen und sind für den Naturschutz von hoher Bedeutung. Insgesamt ist der gesamte Groden Naturschutzgebiet.
Der 7. Schöpfungstag – Dangast
Das geologische Erscheinungsbild in dem Kur- und Künstlerort Dangast ist einmalig an der gesamten Nordseeküste. Ein nach Nordosten verlaufender Geestrücken reichte bis an den Jadebusen heran. Westlich und östlich von Dangast breitet sich die Marschlandschaft aus. Moorgebiete wie in Dangastermoor und Jethausermoor sind inzwischen weitgehend kultiviert.


Der Skulpturenpfad

8. Sintflut des Nordens – Vareler Siel
Vor etwa 300.000 Jahren bedeckte Gletschereis mit einer Stärke von 100 m und mehr auch unseren Küstenraum. Das nördliche Niedersachsen läge ohne das vom Gletschereis mitgeführte Geschiebe in der Nordsee. In dem Staubecken vor dem zurückweichenden Eisrand hat sich in unserem Raum der berühmte „Lauenburger Ton“ abgelagert, aus dem der Klinker gebrannt wird.
9. Sollte Gott gesagt haben? – Wapeler Siel
Der erste Jadebuseneinbruch erfolgte in der Julianenflut 1164. Die Sturmfluten des 15. Jahrhunderts erweiterten den Meereseinbruch. Es entstand ein weit ins Hinterland reichender Wattstrom, die Friesische Balje, die zunächst auch bei Niedrigwasser eine große Wassertiefe besaß. Mit fortschreitender Verlandung konnten aber bereits im 16. Jahrhundert Teile zurückgedeicht werden. 1822 wurde ein Deich in der jetzigen Linie gelegt. Dieser erhielt zur Entwässerung des Binnenlandes zwei Siele.
10. Bruders Hüter ? – Schweiburg am Deich
Vor Schwei und Jade waren ursprünglich keine Deiche erforderlich. Ein Deichschutz musste erst geschaffen werden, nachdem mit dem tieferen Jadebuseneinbruch die Hochmoore weggespült waren. Die ersten Deiche schlossen weit im Hinterland an das verbliebene Hochmoor an: von Westen in Kurzendorf und von Norden in Rönnelmoor. Der seewärtig gelegene Groden (= Vorland), die „Schweiburg“, wurde erst im 17. und 18. Jahrhundert im Verlauf der jetzigen Bäderstraße bedeicht.
11.  Die Große Flut – Augustgroden
Der Groden ist aus Sinkstoffen des Meeres entstanden, „gewachsen“ (englisch: to grow = wachsen, anwachsen). Er wird landwirtschaftlich genutzt. Liegt er außendeichs, spricht man von Aussengroden (Außendeichsland, Vorland, Umweide, in Ostfriesland:Heller). Ein Sommergroden ist durch einen niedrigen Deich vor Sommersturmfluten geschützt. Der Binnengroden liegt im Schutz des Hauptdeiches (in Schleswig-Holstein: Koog, in Ostfriesland: Polder).
12.  Die Arche – Beckmannsfeld
Der für den Deichbau benötigte Kleiboden wird in Pütten oder Püttlöchern gewonnen. Im Aussengroden (= Deichvorland) angelegte Pütten, die durch kleine Gräben mit dem davor liegenden Watt verbunden sind, schlicken im Laufe der Zeit wieder auf. Mit jeder Flut setzt das einströmende schlickhaltige Wasser seine Schwebstoffe ab. Pütten im Binnenland bleiben dagegen als Wasserlöcher erhalten.
13. Die Taube – Eckwarder Siel
Siele sind als Durchlässe im Deich unverzichtbar, um das überschüssige Wasser aus dem eingedeichten Binnenland in das Meer abzuleiten. Das oder der Siel hat Tore, die sich durch den Druck des Wassers selbstständig schließen, wenn bei Flut das Außenwasser über den Binnenwasserstand steigt. Ebenso öffnen sie sich von selbst, wenn bei Ebbe der Außenwasserstand unter den Binnenwasserstand sinkt.
14. Der Regenbogen – Eckwarder Hörne
Eckwarder Hörne hat seinen Namen von dem spitzen Winkel, in dem der Deich in den Jadebusen springt. Schwere Seebuhnen sichern den Deich. Vor den Buhnenköpfen ist das Wasser etwa 20 m tief. Mit dem Jadevertrag von 1852/ 1853 erwarb Preußen von Oldenburg Eckwarder Hörne, deshalb früher auch „Preußeneck“, in einer Größe von 15.000 m², um hier die zur Erhaltung des Jadefahrwassers wichtigen Seebuhnen zu bauen und eine Schützbatterie zu errichten.
15.  Turmbau zu Babel – Feldhauser Deich
Feldhauser Deich.